Wie schmeckt’s? – Das kommt auf die Umgebung an

Foto: Petyo Ivanov/Flickr

Wie viel wir essen oder trinken und auch wie es uns schmeckt, hängt nicht nur von objektiven Gegebenheiten und unverrückbaren Vorlieben ab, etwa unserem Hunger, den molekularen Eigenschaften eines Nahrungsmittels oder ob wir ein bestimmtes Getränk sehr mögen oder nicht, sondern auch von den äußeren Gegebenheiten. Etwas, das auch Gastgeber wissen sollten.

Whisky

Charles Spence, Professor of Experimental Psychology an der University of Oxford, untersuchte gemeinsam mit Mitarbeitern, wie sich der subjektive Geschmack von Whisky dadurch beeinflussen ließen, was die Probanden sahen, hörten und rochen. Nicht  nur die Augen essen (und trinken) also mit, sondern auch die Nase, was nicht so sehr erstaunt, und auch, schon unerwarteter, die Ohren.

Holz

Je nachdem, in welchem Raum die Testpersonen den Whisky probierten, empfanden sie den Geschmack nach grünem Gras stärker oder nach Holz oder seine Süße. Das „Holzzimmer“ zum Beispiel roch nach Zedernholz und der Klangteppich bestand aus knarrenden Balken, dem Knistern eines Holzfeuers und dem gelegentlichen Ertönen eines Kontrabasses (eines Holzinstruments). Im Grasraum waren die Geräusche auf einer Sommerwiese zu hören und der Boden war mit Fertigrasen bedeckt, im „süßen“ Raum waren alle Gegenstände rund, z. B. die Möbel, es gab eine Schale mit reifem Obst, die Probanden hörten das Klingeln von Glöckchen usw. (Mehr Details in der Veröffentlichung.)

Und tatsächlich empfanden die Versuchspersonen denselben Whisky in dem jeweiligen Zimmer entsprechend „grasiger“, „holziger“ oder süßer. Über den Geschmack entscheiden also nicht allein Zunge und Gaumen, sondern auch die übrigen Sinne. Bzw. das Gehirn, wenn es aus den verschiedenen Eindrücken das Geschmackserlebnis zusammensetzt.

Guiness

Foto: Stephen Edgar/Flickr

Bereits 2011 zeigten vier Forscher — unter erheblichem persönlichem Einsatz, wie ich mir sicher bin –, dass Guinness in Irland besser schmeckt als in anderen Ländern. Im Hinblick auf den Grund dafür erwähnen die Wissenschaftler mehrere Theorien. Die „Verschwörungstheorie“ besagt, dass es mehrere Sorten von Guinness gibt. Eine, die für den Export gebraut wird, eine für Irland und die beste für die Angestellten der Firma. Eine andere Theorie besagt, dass es eine Frage der Umgebung ist, dass Guinness in einem irischen Pub mit Iren als charismatischen Gastgebern einfach besser schmeckt. Womit wir wieder beim Thema dieses Posts wären.

Ein umfassender Überblick

Der Klassiker übrigens, wenn es darum geht, wie äußere Bedingungen unsere Wahrnehmung und unser Ess- und Trinkverhalten beeinflussen, ist das Buch Essen ohne Sinn und Verstand:

Geschrieben hat es Brian Wansink und auf der Website zum Buch, Mindless Eating, gibt es, wie auf Wansinks Website selbst, einige weitere Infos zum Thema.

Fazit: Augen, Ohren und Nase essen und trinken mit. Als Gastgeber zum Beispiel können Sie Speis und Trank aufwerten, indem Sie für ein passendes, ansprechendes Ambiente sorgen.

Quellen:

Pressemitteilung How does your whisky taste?
Die zugehörige Veröffentlichung: Assessing the influence of the multisensory environment on the whisky drinking experience

Artikel: Does Guinness really taste better in Ireland? Science weighs in
Veröffentlichung: Does Guinness Travel Well?

(Nachtrag vom 25.10.2013) Gerade entdeckt: Wine tastes like the music you’re listening to.