Verdacht auf Fälschung von Krebsmedikamenten in Bottrop

Über einen besonders schlimmen Fall von Medikamentenfälschung habe ich gerade in diesem Artikel von David Schraven gelesen: Ein Beutel ohne Wirkstoff. Ein Apotheker in Bottrop, also hier in Deutschland, wird verdächtigt, Krebsmedikamente verdünnt oder sogar stattdessen Infusionslösungen ganz ohne Wirkstoff verkauft zu haben. Man spricht von 40000 Fällen, was natürlich nicht der Zahl der betroffenen Patienten entspricht, weil man während einer Therapie eine Reihe von Infusionen erhält. Trotzdem finde ich die Zahl erschreckend.

Dieser Apotheker hat also, wenn sich der Verdacht bestätigt, aus reiner Geldgier den Tod von Menschen, die ihm vertraut haben, in Kauf genommen. Ich schreibe hier sonst nicht so persönlich, aber ich muss sagen: Ich bin fassungslos und wütend.

Es wäre müßig, wenn ich referiere, was in dem Artikel steht, deshalb hier noch mal der Link. Weitere Informationen enthalten zum Beispiel diese Beiträge vom Ende letzten und Anfang dieses Jahres:

Hotline bietet Krebspatienten Informationen

und

Gestreckte Krebsmittel: Vorsorglich Blutproben genommen.

Damals habe ich nichts davon gehört, weil wohl hauptsächlich in lokalen/regionalen Medien darüber berichtet wurde.

Mit gefälschten Medikamenten lässt sich sehr viel Geld verdienen — bei einem geringen Rsiko. Jetzt zitiere ich doch einmal aus dem oben genannten Artkel:

gegen Peter S. wird derzeit nicht wegen Mord oder Totschlag oder Körperverletzung ermittelt, sondern wegen Abrechungsbetrug und Panscherei. …

der Begriff „Abrechnungsbetrug“ scheint der einzige, greifbare juristische Begriff für das zu sein, was Peter S. getan hat.

Um eine Körperverletzung nachzuweisen, müsste die Staatsanwaltschaft beweisen, mit welchem gepantschtem Medikament Peter S. welchen Patienten zu welcher Zeit versorgt hat – und welchen Schaden dieser Patient genau durch diese Arznei davon trug.

Genau das ist in jedem solcher Verfahren das Problem: Welcher Patient hat tatsächlich ein gefälschtes Medikament bekommen? (Wie soll man das im Nachhinein, nach Monaten oder Jahren, nachweisen?) Ist der Patient deshalb gestorben oder wäre die Erkrankung nicht auch mit dem echten Medikament tödlich verlaufen? Schließlich sterben auch Krebspatienten trotz Behandlung.

Um noch einmal persönlich zu werden: Für mich gehören Medikamentenfälscher zu den widerlichsten Verbrechern.

Dieser Post ist auch ein Service für die Käufer meines Büchleins Tödliche Imitate, die in der entsprechenden Rubrik immer wieder neue, interessante Informationen über gefälschte Medikamente finden können. Dasselbe gilt natürlich für alle anderen, die sich für das Thema interessieren. Leider wird mir das Material vermutlich noch eine ganze Zeit lang nicht ausgehen.

TODLICHE IMITATE - 2000

Mein Roman Ohne Skrupel behandelt das Thema gefälschte Medikamente ebenfalls, und zwar in Form eines spannenden internationalen Thrillers.
OHNESKRUPELkobo

Gefälschtes Valium in Schottland

Medikamentenfälscher produzieren tatsächlich alles, womit sich Geld machen lässt. Gerade habe ich diesen Artikel auf der BBC-Website gefunden: Fake valium ‚cheaper than chips‘, warns drug expert. Darin geht es darum, dass nachgemachtes Valium Schottland geradezu überschwemmt. In diesem Fall sind die Opfer Drogensüchtige und die Tabletten wurden mit sechs Todesfällen in Verbindung gebracht. Weitere Informationen enthält, wie gesagt, der BBC-Beitrag. Weiterlesen

Besonders infam: gefälschte Impfstoffe

TODLICHE IMITATE - 2000Am letzten Freitag erst habe ich bei einer Lesung aus meinem Thriller Ohne Skrupel unter anderem eine Passage vorgelesen, in der ein nigerianischer Arzt sagt:

„Mein Alptraum ist, dass wir einmal einen Impfstoff bekommen, der gefälscht ist. Bis jetzt hatten wir da Glück.“ Er sah Coris ungläubigen Blick. „Doch, es gibt Leute, die absolut keine Skrupel haben. Es ist gar nicht lange her, da hat jemand in den Philippinen Wasser als Grippeimpfstoff verkauft.“

Diesen Fall gab es tatsächlich. Nachzulesen zum Beispiel hier und hier. Weiterlesen

Gefälschte Medikamente – auch hierzulande ein Problem

TODLICHE IMITATE - 2000Aktuell berichten die Medien über gefälschte Medikamente, die der Zoll 2015 abgefangen hat, siehe zum Beispiel die Artikel hier, hier und hier. Und ja, die größte Gefahr droht uns hierzulande, wenn wir wahllos irgendetwas im Internet bestellen. Aber das hat man ja in der Hand.

Was ich bedenklicher finde, ist das, worum es in der folgenden Passage aus dem Artikel der Apotheken-Umschau geht: Weiterlesen

Aktuelle Informationen der WHO über gefälschte Medikamente

cropped-todliche-imitate-20001.jpgHeute gibt es einen Linktipp. Und zwar hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihr Fact Sheet über gefälschte medizinische Produkte und Ähnliches auf den neuesten Stand gebracht.

Aus diesem Text geht klar hervor: Das Thema meines Büchleins Tödliche Imitate und meines Thrillers Ohne Skrupel ist leider weiter hochaktuell und die Bedrohung hat eher zu- als abgenommen.

Drei Kernaussagen des WHO-Merkblatts: Weiterlesen

Neue Forschung zum Thema gefälschte Medikamente

Die amerikanischen National Institutes of Health haben eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie auf Artikel hinweisen, die gerade vom The American Journal of Tropical Medicine and Hygiene veröffenlicht wurden. (Dieser Link führt zu den Abstracts und dieser Link zum Vorwort.) In den 17 Beiträgen geht es um neue Studien sowie um Vorschläge, was man tun sollte, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Der Titel eines Artikels spricht sehr treffend von „Murder by Medicine“ und genau das ist es in vielen Fällen, allerdings nicht durch echte Medizin, sondern durch minderwertige Nachahmungen.

Hier ein Auszug aus der Pressemitteilung:

Global pandemic of fake medicines poses urgent risk, scientists say

Poor quality medicines are a real and urgent threat that could undermine decades of successful efforts to combat HIV/AIDS, malaria and tuberculosis, according to the editors of a collection of journal articles published today. Scientists report up to 41 percent of specimens failed to meet quality standards in global studies of about 17,000 drug samples. Among the collection is an article describing the discovery of falsified and substandard malaria drugs that caused an estimated 122,350 deaths in African children in 2013.

Seventeen articles in all, detailing various aspects of the issue and proposing possible solutions, are included in a special journal supplement “The Global Pandemic of Falsified Medicines: Laboratory and Field Innovations and Policy Perspectives,” published online ahead of print by The American Journal of Tropical Medicine and Hygiene. Several articles suggest policy interventions, including an international framework and the adoption of stricter national laws against drug counterfeiting.

In an introductory essay, former U.S. Food and Drug Administration Commissioner Margaret Hamburg, M.D., says globalization has added layers of complexity to the drug supply chain that require greater oversight. “Today’s medical-product landscape blurs the line between domestic and foreign production, drawing attention to the need for global quality and safety oversight to prevent patient exposure to falsified products,” wrote Dr. Hamburg, who was recently named foreign secretary of the Institute of Medicine.

Scientists inspected the quality of about 16,800 samples of anti-malarials, anti-tuberculosis medicines, antibiotics and anti-leishmaniasis drugs and reported from 9 to 41 percent failed to meet the specifications. Seven separate studies were carried out, primarily in low-resource settings, and included samples from public and private sources.

Die Fettungen in dem Text stammen von mir.

Dieser Post ist wie alle zu diesem Thema auch ein Service für die Leser meines Buches Tödliche Imitate, die hier im Blog kontinuierlich neue ergänzende Informationen zum Thema gefälschte Medikamente finden.

TODLICHE IMITATE - 2000

Gefälschte Medikamente gefährden auch Nutztiere

Ich habe gerade einen interessanten Artikel von Pete Kingsley darüber entdeckt, dass gefälschte Tierarzneimittel Viehherden in Afrika bedrohen — und damit indirekt natürlich auch die Lebensgrundlage der betroffenen Menschen: Fake animal drugs threaten African livestock and livelihoods.

Kingsley schreibt:

The International Federation of Animal Health estimates that the trade in sub-standard and non-registered drugs in Africa is worth US$400m a year – the same size as the official market. The manufacturers, sellers, and customers I’ve spoken to over believe that the problem has been around for decades, but has got much worse in the last five to ten years.

Ein Grund dafür ist natürlich, das sich mit Mitteln, die weniger oder gar keinen Wirkstoff enthalten, große Gewinne erzielen lassen. Ein anderer, dass es schwierig ist, die Qualität der Medikamente zu überprüfen, weil, so schreibt Kingsley, Tests kompliziert und teuer sind. Der Artikel zählt noch weitere interessante Aspekte auf, die ich hier aber nicht alle referieren möchte, da man sie bei Interesse genauso gut dort nachlesen kann.

Dieser kurze Post ist auch ein Service für die Leser meines Buches Tödliche Imitate, die hier im Blog kontinuierlich neue ergänzende Informationen zum Thema gefälschte Medikamente finden. Es ist doch schön, welche Möglichkeiten das Internet uns bietet 🙂

TODLICHE IMITATE - 2000

Gefälschte Medikamente: auch in Afghanistan weit verbreitet

Ein kurzer Linktipp, als Ergänzung und Aktualisierung zu meinem Büchlein Tödliche Imitate: Killing, not curing: deadly boom in counterfeit medicine in Afghanistan, ein ausführlicher Artikel der englischen Zeitung The Guardian.

Wie am Ende meines E-Books versprochen, poste ich hier im Blog in der Rubrik Tödliche Imitate immer wieder einmal neue Informationen über gefälschte Medikamente, die Leser interessieren könnten.

TODLICHE IMITATE - 2000Auch mein Thriller Ohne Skrupel beschäftigt sich mit dem Thema gefälschte Medikamente:

Aktueller Bericht von UNODOC über gefälschte Medikamente und mehr

Die Fälschung von Medikamenten ist etwas, über das ich mehrfach geschrieben habe. Unter anderem zweimal in Buchform: Tödliche Imitate (die Fakten) und Ohne Skrupel (ein Thriller).

Weil mich das Thema weiterhin interessiert (und empört), berichte ich hier im Blog, wenn ich neue Informationen dazu finde. Außerdem können interessierte Leser von Tödliche Imitate auf diese Weise auf dem Laufenden bleiben, wenn sie möchten.

Heute habe ich diesen aktuellen Bericht von UNODOC (United Nations Office on Drugs and Crime) entdeckt: The Illicit Trafficking of Counterfeit Goods and Transnational Organized Crime (pdf).

In dem Report gibt es unter anderem ein Unterkapitel mit dem Titel „Fraudulent Medicines“ (S. 5f.) mit einigen interessanten Zahlen und Quellen. Zitat: „the sale of fraudulent medicines from East Asia and the Pacific to South-East Asia and Africa alone amounts to some $5 billion per year“.

Das Fälschen von Medikamenten ist ein Milliardengeschäft. Und gefälschte Antibiotika, AIDS-, Krebs- und Malariamittel sind etwas ganz anderes als kopierte Handtaschendesigns. Man weiß nicht, wie hoch die Zahl der Todesopfer als Folge solcher wirkungslosen oder schlechter wirkenden Präparate ist, aber sie dürfte erheblich sein.

TODLICHE IMITATE - 2000

Hochgefährlich: Artemisinin-resistente Malaria-Erreger

TODLICHE IMITATE - 2000Dieser Post ist ein Update zum Thema gefälschte Medikamente — als Service für die Leser meines Büchleins Tödliche Imitate, aber auch, weil das, worum es hier geht, lebenswichtig ist für viele Menschen, die in Malariagebieten leben oder dorthin verreisen.

Wie der Guardian in einem aktuellen Artikel berichtet, ist in Südostasien ein Malariastamm aufgetaucht, der auch gegen das bisher einzige noch gegen alle Malaria-Erreger wirksame Mittel Artemisinin resistent, also unempfindlich, ist. S. New wave of drug-resistant malaria threatens millions. Der Grund für die Resistenz, so der Guardian: gefälschte Medikamente (weil sie eine zu niedrige Dosis enthalten, darüber schreibe ich auch in Tödliche Imitate) und die falsche Anwendung des echten Medikaments.

Aus dem Artikel geht allerdings für mich nicht klar hervor, ob die Erreger bereits vollständig resistent sind oder ob im Moment nur eine höhere Dosis nötig ist, um sie zu töten. Die Lage ist in jedem Fall ernst. Denn am Ende der Entwicklung könnte eine Malariaform stehen, die sich nicht mehr behandeln lässt und die sich nach Indien und Afrika ausbreitet. Und genau das befürchten die Experten.

Hier die letzten Absätze des Artikels, die zeigen, wie Resistenz bereits zwei andere Malariamittel nutzlos gemacht hat (Kürzungen und Fettungen von mir):

Chloroquine was widely effective around the world, but … Malaria grew resistant to the drug by the 1950s. Sulfadoxine-pyrimethamine, commonly sold as Fansidar, came next and proved effective until the end of the last century, when resistance proved common.

Artemisinin, derived from sweet wormwood, followed. … In 2006, it became the world’s frontline malaria treatment.

Today, artemisinin still works within a combination drug. Because of a global abundance of fake drugs (many made in China) and bad dosing, however, its days are numbered.