Gefälschte Medikamente in Deutschland

Im Mai hatte ich hier im Blog auf einen ganz speziellen Fall hingewiesen: Verdacht auf Fälschung von Krebsmedikamenten in Bottrop.

Jetzt berichtet Spiegel Online, dass in deutschen Apotheken gefälschte Medikamente aufgetaucht sind: Gefälschtes Medikament entdeckt. Im Artikel ist von Nachahmungen zweier verschiedener Mittel die Rede, die im Juni und jetzt entdeckt wurden. Interessant wäre zu erfahren, wie sie in die Apotheken bzw. in die Vertriebskette gelangt sind.

In der DAZ gibt es einen relativ ausführlichen Artikel zu diesem Fall sowie einen weiteren, bei dem ein Krebsmittel betroffen ist: Gefälschtes Sovaldi und Velcade in Deutschland gefunden.

Dieser Post ist auch ein Service für die Käufer meines Büchleins Tödliche Imitate, die in der entsprechenden Rubrik immer wieder neue, interessante Informationen über gefälschte Medikamente finden können. Dasselbe gilt natürlich für alle anderen, die sich für das Thema interessieren. Leider wird mir das Material vermutlich noch eine ganze Zeit lang nicht ausgehen.

TODLICHE IMITATE - 2000Mein Roman Ohne Skrupel behandelt das Thema gefälschte Medikamente ebenfalls, und zwar in Form eines spannenden internationalen Thrillers.
OHNESKRUPELkobo

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Gefälschtes Valium in Schottland

Medikamentenfälscher produzieren tatsächlich alles, womit sich Geld machen lässt. Gerade habe ich diesen Artikel auf der BBC-Website gefunden: Fake valium ‚cheaper than chips‘, warns drug expert. Darin geht es darum, dass nachgemachtes Valium Schottland geradezu überschwemmt. In diesem Fall sind die Opfer Drogensüchtige und die Tabletten wurden mit sechs Todesfällen in Verbindung gebracht. Weitere Informationen enthält, wie gesagt, der BBC-Beitrag. Weiterlesen

Stress hat auch seine guten Seiten – meine Quellen

Wie gestern angekündigt, veröffentliche ich in diesem Post die wesentlichen Quellen, auf denen mein Artikel Schöner Stress im Augustheft von Psychologie Heute basiert.

Dies waren

erstens das Buch The Upside of Stress: Why stress is good for you (and how to get good at it) von Kelly McGonigal

und zweitens diese Artikel und Websites:

Kelly McGonigal: http://kellymcgonigal.com
The Center for Compassion and Altruism Research and Education: http://ccare.stanford.edu
Kelly McGonigal, Wie man Stress zu seinem Freund machen kann: http://www.ted.com/talks/kelly_mcgonigal_how_to_make_stress_your_friend?language=de
Studie der Techniker Krankenkasse zum Stress in Deutschland: http://www.tk.de/tk/themen/kampagne-stress/studienband-und-ergebnisse/609538
Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Sterbefaelle/Tabellen/LebenserwartungBundeslaenderMaennlich.html und https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Sterbefaelle/Tabellen/LebenserwartungBundeslaenderWeiblich.html
Abiola Keller et al., Does the perception that stress affects health matter? The association with health and mortality: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3374921/
Hermann Nabi et al., Increased risk of coronary heart disease among individuals reporting adverse impact of stress on their health: the Whitehall II prospective cohort study: http://eurheartj.oxfordjournals.org/content/34/34/2697.long
Charles Holahan et al., Stress Generation, Avoidance Coping, and Depressive Symptoms: A 10-Year Model: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3035563/
Louis Tay, Multilevel mixed-measurement IRT analysis: An explication and application to self-reported emotions around the world: http://members.home.nl/jeroenvermunt/tay2009b.pdf
Roy Baumeister et a., Some Key Differences between a Happy Life and a Meaningful Life: http://faculty-gsb.stanford.edu/aaker/pages/documents/SomeKeyDifferencesHappyLifeMeaningfulLife.pdf
Shelley E. Taylor: https://taylorlab.psych.ucla.edu
Shelley E. Taylor et al., Biobehavioral Responses to Stress in Females:
Tend-and-Befriend, not Fight-or-Flight: http://scholar.harvard.edu/marianabockarova/files/tend-and-befriend.pdf
Bernadette von Dawans et al., The Social Dimension of Stress Reactivity: Acute Stress Increases Prosocial Behavior in Humans: https://www.psychologie.uni-freiburg.de/abteilungen/psychobio/team/publikationen/stressandprosocialbehaviour
(Zugehörige PM) Gestresste Männer sind sozialer: http://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2012/pm.2012-05-21.111
Clemens Kirschbaum et al., The ‚Trier Social Stress Test‘–a tool for investigating psychobiological stress responses in a laboratory setting: http://www.researchgate.net/publication/14944707_The_%27Trier_Social_Stress_Test%27–a_tool_for_investigating_psychobiological_stress_responses_in_a_laboratory_setting
Michael Poulin, Giving to Others and the Association Between Stress and Mortality: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3780662/
Michael Poulin, Volunteering predicts health among those who value others: two national studies: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23566179
Michael J. Poulin: http://psychology.buffalo.edu/about-us/faculty/poulin
APA, Turning Lemons into Lemonade: Hardiness Helps People Turn Stressful Circumstances into Opportunities: http://www.apa.org/research/action/lemon.aspx
Jeremy Jamieson: https://www.psych.rochester.edu/people/jamieson_jeremy/index.html Jeremy P. Jamieson et al., Improving Acute Stress Responses: The Power of Reappraisal, http://www.wjh.harvard.edu/~nock/nocklab/Jamieson-2013.pdf
Jamieson et al. http://dash.harvard.edu/bitstream/handle/1/4214916/Mendes_ReappraisingArousal.pdf?sequence=2
Jeremy Jamieson, Public Speaking and Stress Responses: https://www.psychologytoday.com/blog/the-many-sides-stress/201306/public-speaking-and-stress-responses
Interview mit Oliver Wolf „Bei Stress übernimmt unser Autopilot die Führung“: http://www.medica.de/cipp/md_medica/custom/pub/content,oid,36051/lang,1/ticket,g_u_e_s_t/~/%E2%80%9EBei_Stress_%C3%BCbernimmt_unser_Autopilot_die_F%C3%BChrung%E2%80%9C.html
Jeylan T. Mortimer, The Benefits and Risks of Adolescent Employment: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2936460/
Mortimer, J. T., Staff, J., Early work as a source of developmental discontinuity during the transition to adulthood: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15704827
Megan Gunnar et al., Moderate versus severe early life stress: Associations with stress reactivity and regulation in 10–12-year-old children: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2670489/#R69
Mark Seery et al., Whatever Does Not Kill Us:Cumulative Lifetime Adversity, Vulnerability, and Resilience: https://webfiles.uci.edu/rsilver/Seery,%20Holman,%20&%20Silver%202010%20JPSP.pdf
Alison Wood Brooks, Get Excited: Reappraising Pre-Performance Anxiety as Excitement: http://www.apa.org/pubs/journals/releases/xge-a0035325.pdf
(Zugehörige PM) Getting Excited Helps with Performance Anxiety More Than Trying to Calm Down, Study Finds: http://www.apa.org/news/press/releases/2013/12/performance-anxiety.aspx
Juliane Strack et al., Will you thrive under pressure or burn out? Linking anxiety motivation and emotional exhaustion: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24889219
Michael S. Krasner et al., Association of an Educational Program in Mindful Communication With Burnout, Empathy, and Attitudes Among Primary Care Physicians: http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=184621
Geoffrey L. Cohen und David K. Sherman, The Psychology of Change: Self-Affirmation and Social Psychological Intervention: https://ed.stanford.edu/sites/default/files/annurev-psych-psychology_of_change_final_e2.pdf
Abelson, J. L. et al., Brief cognitive intervention can modulate neuroendocrine stress responses to the Trier Social Stress Test: Buffering effects of a compassionate goal orientation: http://www.psyneuen-journal.com/article/S0306-4530%2814%2900067-5/abstract
Menschen helfen, gesund bleiben (PM der Uni Freiburg): http://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2014/pm.2014-05-14.39

Anmerkung: Manchmal erhalte ich von Wissenschaftlern die vollständige Veröffentlichung, kann im Internet aber nur auf einen Abstract (eine Zusammenfassung) verlinken, weil sich der Artikel als Ganzes hinter einer Paywall (Zahlschranke) befindet.

Um ein verwandtes Thema (posttraumatischen Stress) ging es in meinem Artikel Am Trauma wachsen im Märzheft von Psychologie Heute, s. mein Post Verletzlicher, aber stärker – Wie wir an traumatischen Erlebnissen wachsen.

Stress hat auch seine guten Seiten

„… this sort of tension, unpleasant though it is, is (for me, at least) a prerequisite of performing well.“ Oliver Sacks über Lampenfieber

Das Augustheft von Psychologie Heute enthält meinen Artikel Schöner Stress als Titelgeschichte. Zum selben Thema ebenfalls lesenswert sind das Editorial von Ursula Nuber und sowie das Interview mit Helen Heinemann, die das Buch Warum Stress glücklich macht: Oder: Wieso wir aufhören sollten zu entspannen geschrieben hat.

Die Recherche hat mir viel Spaß gemacht und wie so oft habe ich selbst dabei auch eine Menge gelernt.

Hier, wie üblich, die Outtakes, also die Passagen, die es aus Platzgründen nicht in die Zeitschrift geschafft haben:

Andererseits ist bekannt, dass Gedanken die Gesundheit beeinflussen können. Man denke nur an den Placebo-Effekt.

Megan Gunnar und weitere Forscher von derselben Universität zeigten, dass Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren am wenigsten mit einer Erhöhung des Cortisol-Spiegels auf Stress reagierten, also resilienter waren, wenn sie am Anfang ihres Lebens mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen hatten. Diese Kinder waren sehr jung aus dem Ausland adoptiert worden, was die Wissenschaftler als mittlere Belastung werteten. Sowohl Jungen und Mädchen, die länger auf die Adoption warten mussten (starke Belastung), als auch solche, die bei ihren leiblichen Eltern aufwuchsen (keine Belastung), waren weniger widerstandsfähig.

Zwar könnte man theoretisch aus Seerys U-förmigen Kurven Schwellenwerte ablesen. Doch dabei handelt es sich erstens um Durchschnittswerte von verschiedenen Probanden mit unterschiedlichen Erlebnissen, so dass sich daraus keine Aussage für einen bestimmten Fall ableiten lässt. Kelly McGonigal, die selbst zu viel Schlimmes erlebt hat, um sich im optimalen Bereich zu befinden, hat den Forscher selbst nach Rückschlüssen aus seinen Daten gefragt. Im Hinblick auf die Personen mit ungewöhnlich vielen schlimmen Erlebnissen betont Seery, dass es sich um zu wenige handelt, um aufgrund der Zahlen zuverlässige Angaben machen zu können. Außerdem weiß er, dass es einigen dieser Teilnehmer außergewöhnlich gut geht. Er ist deshalb zuversichtlich, dass es zumindest möglich ist, auch aus einer Vielzahl von Schicksalsschlägen ohne bleibende Schäden hervorzugehen.

Eine Berufsgruppe macht offenbar vieles richtig. Das Versorgen von Notfallpatienten ist gewiss keine leichte Aufgabe. Und doch fasst Hans-Eckart Klose von der Universität Freiburg die Ergebnisse einer Befragung so zusammen: „Rettungsassistenten arbeiten viel und stehen oft unter hohem Zeitdruck, aber durchgängigen psychischen Stress im Sinne einer objektiven Überforderung stellen wir nicht fest.“ Als Gründe nennt der Wirtschaftspsychologe, dass die Betreffenden „ihre Arbeit als besonders sinnhaft und wichtig wahrnehmen“, sowie das Gemeinschaftsgefühl, das schützend wirken kann.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeichnen ein differenzierteres, positiveres Bild vom Stress. Und das ist gut. Denn wie sagt Kelly McGonigal? Ein sinnerfülltes Leben ist ein stressreiches Leben.

In meinem nächsten Post veröffentliche ich, wie gehabt, die wichtigsten Quellen zu diesem Artikel. Wer nicht warten mag, findet sie außerdem zurzeit (8.7.2015) auf der Website von Psychologie Heute.

Um ein verwandtes Thema (posttraumatischen Stress) ging es übrigens in meinem Artikel Am Trauma wachsen im Märzheft von Psychologie Heute, s. mein Post Verletzlicher, aber stärker – Wie wir an traumatischen Erlebnissen wachsen.

Gefälschte Medikamente: auch in Afghanistan weit verbreitet

Ein kurzer Linktipp, als Ergänzung und Aktualisierung zu meinem Büchlein Tödliche Imitate: Killing, not curing: deadly boom in counterfeit medicine in Afghanistan, ein ausführlicher Artikel der englischen Zeitung The Guardian.

Wie am Ende meines E-Books versprochen, poste ich hier im Blog in der Rubrik Tödliche Imitate immer wieder einmal neue Informationen über gefälschte Medikamente, die Leser interessieren könnten.

TODLICHE IMITATE - 2000Auch mein Thriller Ohne Skrupel beschäftigt sich mit dem Thema gefälschte Medikamente:

Aktueller Bericht von UNODOC über gefälschte Medikamente und mehr

Die Fälschung von Medikamenten ist etwas, über das ich mehrfach geschrieben habe. Unter anderem zweimal in Buchform: Tödliche Imitate (die Fakten) und Ohne Skrupel (ein Thriller).

Weil mich das Thema weiterhin interessiert (und empört), berichte ich hier im Blog, wenn ich neue Informationen dazu finde. Außerdem können interessierte Leser von Tödliche Imitate auf diese Weise auf dem Laufenden bleiben, wenn sie möchten.

Heute habe ich diesen aktuellen Bericht von UNODOC (United Nations Office on Drugs and Crime) entdeckt: The Illicit Trafficking of Counterfeit Goods and Transnational Organized Crime (pdf).

In dem Report gibt es unter anderem ein Unterkapitel mit dem Titel „Fraudulent Medicines“ (S. 5f.) mit einigen interessanten Zahlen und Quellen. Zitat: „the sale of fraudulent medicines from East Asia and the Pacific to South-East Asia and Africa alone amounts to some $5 billion per year“.

Das Fälschen von Medikamenten ist ein Milliardengeschäft. Und gefälschte Antibiotika, AIDS-, Krebs- und Malariamittel sind etwas ganz anderes als kopierte Handtaschendesigns. Man weiß nicht, wie hoch die Zahl der Todesopfer als Folge solcher wirkungslosen oder schlechter wirkenden Präparate ist, aber sie dürfte erheblich sein.

TODLICHE IMITATE - 2000

Jetzt in Gänze online: Mein Artikel über Sinn und Nutzen des Spielens

Mein Artikel „Warum wir viel mehr spielen sollten“ aus dem Februar-Heft von Psychologie Heute, mehr dazu z. B. hier,  ist jetzt auch online zu finden. Und zwar auf der Website der Bielefelder Rußheideschule. Ganz legal, denn Psychologie Heute und ich haben der Veröffentlichung auf Anfrage von Dorothea Ruh zugestimmt.

Frau Ruh leitet das Projekt Lernen durch Spielen. Mehr über diese spannende Idee und ihre Verwirklichung können Sie auf der Website erfahren. Ein Besuch lohnt sich.

Und hier noch einmal ein Link zu der Seite, auf der Sie meinem Artikel (pdf) finden können. Viel Spaß beim Lesen!

Ach ja, Bonusmaterial zu diesem Artikel gibt es in diesen Posts:

Menschen, die ewigen Kinder: Warum Spielen für uns so wichtig ist (Teil 1)

und

Menschen, die ewigen Kinder: Warum Spielen für uns so wichtig ist (Teil 2).

Menschen, die ewigen Kinder: Warum Spielen für uns so wichtig ist (Teil 2)

Das aktuelle Heft von Psychologie Heute (2/14) enthält u. a. meinen Artikel Warum wir viel mehr spielen sollten. (Ergänzung vom 28.2.2014: Jetzt in Gänze online: Mein Artikel über Sinn und Nutzen des Spielens.)

Wie ich in meinem vorherigen Post angekündigt habe, nenne ich hier für Interessierte meine wichtigsten Quellen.

Los geht’s:

Genannte Bücher:
Stuart Brown, M.D., with Christopher Vaughan Play: How It Shapes the Brain, Opens the Imagination, and Invigorates the Soul
New York: Avery, 2009.
Arne Gillert, Der Spielfaktor – Warum wir besser arbeiten, wenn wir spielen. Heyne, München 2011
Sergio Pellis, Vivien Pellis, The Playful Brain – Venturing to the Limits of Neuroscience. Oneworld Publications, London 2009 (nicht so wichtig, weil v. a. über Tiere und sehr wissenschaftlich)

Zwei weitere, aktuelle Bücher:
Patrick Bateson, Paul Martin: Play, Playfulness, Creativity and Innovation. Cambridge University Press, Cambridge 2013
Peter Gray: Free to Learn: Why Unleashing the Instinct to Play Will Make Our Children Happier, More Self-Reliant, and Better Students for Life. Basic Books, New York 2013

Die wichtigsten Artikel:
Linda Stone, A More Resilient Species.
Bruno Bettelheim: The Importance of Play.
David Elkind: Can We Play?
When Work Is Play
Dort: Peter Gray: The Value of Play.
Leon Seltzer: http://www.psychologytoday.com/collections/201301/when-work-is-play/the-purpose-purposelessness
Peter Gray bei Psychology Today, speziell The Value of Play I-IV und Play Makes Us Human I-VI: http://www.psychologytoday.com/blog/freedom-learn?page=2
Peter Gray: The Decline of Play and the Rise of Psychopathology in Children and Adolescents.
BBC: Why do animals like to play?
John Cleese: Hare Brain, Tortoise Mind: An Excellent Combination
John Cleese – a lecture on Creativity: http://vimeo.com/18913413#at=0
Spinka M, Newberry RC, Bekoff M.: Mammalian play: training for the unexpected.
Jean Twenge (extensisch/intrinsisch) http://selfdeterminationtheory.org/SDT/documents/MMPIchangeCPR.pdf

Zitat von Pat Kane
Sein Buch The Play Ethic
Zitat von Roy Blount
Zitat/Geschichte von Richard Feynman: Surely you’re joking, Mr. Feynman, von Richard Feynman, S. 157-158

Menschen, die ewigen Kinder: Warum Spielen für uns so wichtig ist (Teil 1)

Das aktuelle Heft von Psychologie Heute (2/14) enthält u. a. meinen Artikel Warum wir viel mehr spielen sollten. (Ergänzung vom 28.2.2014: Jetzt in Gänze online: Mein Artikel über Sinn und Nutzen des Spielens.)

Wie ich es bereits in meinem vorherigen Blog gehandhabt habe, werde ich auch hier zu meinen Zeitschriften-Artikeln die Quellen veröffentlichen, s. der nächste Post (Teil 2).

Außerdem fallen erfahrungsmäß aus Platzgründen immer einige Passagen der Redakteurinnen-Schere zum Opfer. Diese Outtakes können Sie in diesem Post lesen.

Und schließlich noch ein Hinweis: Ich habe beim Schreiben dieses Artikels, wie so oft, auch für mich viel gelernt. Das ist kein Wunder, denn ich habe mir dieses Thema ausgesucht und der Redaktion angeboten. Eine wichtige Quelle war das Buch Play: How it Shapes the Brain, Opens the Imagination, and Invigorates the Soul von Stuart Brown, das ich sehr empfehlen kann.

Hier kommen die Outtakes:

 „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, schrieb schon Friedrich Schiller. Auch Erwachsene dürfen und müssen spielen. Gemeint sind damit nicht so sehr Gesellschaftsspiele und Ähnliches, sondern vor allem eine spielerische Haltung. Diese hilft uns, in einer Welt zurechtzukommen, die sich ständig ändert, – und dabei Spaß zu haben.

Wer denkt beim Wort Spielen nicht gleich an Kinder? An Mädchen und Jungen, die selbstvergessen eine Sandburg bauen, laut brummend Modellautos hin und her schieben oder kreischend einem Ball nachjagen. Und denkt dabei zu kurz. Spiel, so der Psychiater Stuart Brown, ist nämlich ein „tiefgreifender biologischer Prozess“. Es ist im Laufe der Evolution entstanden und macht Tiere klüger und anpassungsfähiger. Bei höher entwickelten Tieren fördert es die Empathie und ermöglicht die Entstehung komplexer sozialer Gruppen, erklärt der Leiter des National Institute for Play in Carmel Valley, Kalifornien. Beim Menschen schließlich ist es für Kreativität und Innovation verantwortlich. „Play: How it Shapes the Brain, Opens the Imagination, and Invigorates the Soul“ (Spiel: Wie es das Gehirn formt, die Vorstellungskraft öffnet und die Seele stärkt) – so lautet der Titel, den Brown seinem Buch zu diesem Thema gab.

Peter Gray nennt ähnliche, aber nicht deckungsgleiche Charakteristika. Spiel, schreibt er,
– ist eine Aktivität, bei der die Mittel wichtiger sind als der Zweck,
– ist selbstgewählt und selbstbestimmt,
– wird um seiner selbst Willen getan (intrinsisch motiviert),
– besitzt eine Struktur oder Regeln, die nicht durch physikalische Gegebenheiten bestimmt sind, sondern aus dem Denken der Spieler entstehen,
– ist fantasievoll und in irgendeiner Weise dem „richtigen“ Leben enthoben,
– es beinhaltet einen aktiven, aufmerksamen, aber nicht gestressten Geisteszustand

… Wir spielen, weil es Spaß macht. Diese Eigenschaft betont auch die Definition des Duden. Spielen ist danach eine „Tätigkeit, die ohne bewussten Zweck zum Vergnügen, zur Entspannung, aus Freude an ihr selbst und an ihrem Resultat ausgeübt wird“.

Doch welche Aktivitäten genau sind Spiel und welche nicht? Kurz gesagt: Das kommt drauf an. Auf den Einzelnen und auf die Umstände.

Brown glaubt, dass die junggebliebenen, verspielten Gehirne es dem Menschen erlaubt haben, sich jeder Umgebung anzupassen und so die gesamte Erde zu besiedeln. Spielen, so meinen er und andere Experten, hält das Gehirn flexibel. Und das ist wichtig in einer sich ständig verändernden Welt. „Säugetierspiel: trainieren für das Unerwartete“ („Mammalian play: training for the unexpected“) hat Marc Bekoff, ein inzwischen emeritierter Professor für Evolutionsbiologie der University of Colorado in Boulder, einen Artikel überschrieben. Darin stellt er die Hypothese auf, dass vorübergehende Kontrollverluste im Spiel es Tieren ermöglichen, sowohl neue Bewegungsabläufe und Reaktionen einzuüben als auch zu trainieren, mit überraschenden stressreichen Situationen zurechtzukommen.

Der Zoologe John Byers von der University of Idaho in Moscow spekuliert noch allgemeiner, dass das Gehirn das Spielen benutzt, um Situationen zu simulieren und Reaktionen zu testen. „Wie kreieren wir diese ‚Simulationen‘?“, fragt Brown. „Durch Sport, physische Aktivitäten, Bücher, Geschichtenerzählen, Kunst, Filme und viel, viel mehr.“ Und das, was wir auf diese Weise lernen, lässt sich, so der Spiel-Experte, in anderen, neuen Kontexten nutzen. Kinder verbringen offensichtlich einen großen Teil ihrer Zeit mit „Simulationen“ und „Tests“. Und da wir Menschen ein Leben lang lernen, sind und bleiben wir verspielt.

Nicht nur auf Kinder wirkt das Fehlen spielerischer Leichtigkeit niederdrückend, sondern auch auf Erwachsene. Ginge es nach Stuart Brown, so würde es ebenso als Alarmzeichen gelten wie Atemlosigkeit beim Treppensteigen oder hoher Blutdruck. Spielen reduziert Stress.

Eine besonders schöne Geschichte erzählt Richard Feynman in seinem Buch „Surely You’re Joking, Mr. Feynman: Adventures of a Curious Character“ (deutsche Ausgabe: „Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!: Abenteuer eines neugierigen Physikers“). Er berichtet von einer Zeit, in der er die Freude an der Physik verloren hatte. Um sie zurückzugewinnen, beschloss er, wieder wie früher das zu tun, wonach ihm gerade war. In der Cafeteria sah er, wie jemand mit einem Teller herumalberte und diesen in die Ludt warf – und begann, sich mit der Bewegung dieser rotierenden Scheibe zu beschäftigen. Er erinnert sich, dass er einem anderen berühmten Wissenschaftler, Hans Bethe, seine ersten Berechnungen zeigte und dieser antwortete: „Das ist ja ganz interessant, aber was ist die Bedeutung?“ Darauf Feynman: „Es gibt keinerlei Bedeutung. Ich mache das nur zum Spaß.“ Er schreibt weiter: „Es war einfach, mit diesen Dingen zu spielen. … Was ich tat hatte keinerlei Bedeutung, aber letztlich dann doch. Die Diagramme und die ganze Angelegenheit für die ich den Nobelpreis bekam, entstand aus dem Herumtüfteln mit dem eiernden Teller.“ (Übersetzungen von mir)

Nun ist nicht jeder Beruf ein Sprungbrett zu einem späteren Nobelpreis und nur wenige Menschen können ihr Geld damit verdienen, bei der Arbeit in der Fantasie Räuber und Gendarm zu spielen und das, was ihnen dabei einfällt, aufzuschreiben. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, heißt es schließlich. Andererseits wissen vermutlich die meisten aus eigener Erfahrung, dass diese beiden Dinge sich nicht grundsätzlich ausschließen.

Stuart Brown glaubt übrigens, dass Brainstorming nur funktioniert, wenn es wahrhaft spielerisch geschieht. Um Teilnehmer in eine entsprechende Stimmung zu versetzen, lässt er sie vorher etwas wie Twister spielen, denn nach seiner Erfahrung eignet sich Bewegung besonders gut, Menschen in Spiellaune zu bringen.

Das Internet lebt in vielerlei Hinsicht geradezu davon, dass Arbeit Spaß macht. Darauf weist der Holländer Arne Gillert in seinem Buch „Der Spielfaktor – Warum wir besser arbeiten, wenn wir spielen“ hin. Unzählige Menschen engagieren sich dort ohne Bezahlung, verfassen Beiträge für Wikipedia, programmieren und optimieren Software, schreiben und veröffentlichen Geschichten und vieles mehr.

Wie sehr man den eigenen Beruf als Spiel empfindet, kann man testen, indem man sich fragt: „Wenn ich dieselbe Bezahlung bekäme und dieselbe Aussicht auf künftigen Verdienst hätte, dieselbe Achtung von anderen Menschen erhielte und dasselbe Gefühl hätte, etwas Gutes für die Welt zu tun, indem ich nicht in meinem Job arbeite, würde ich aufhören?“ Wer diese Gelegenheit sofort ergreifen würde, der spielt nicht bei der Arbeit, meint Peter Gray. Wer jedoch nur ungern auf seinen Job verzichten würde oder auf keinen Fall etwas ändern möchte – der arbeitet nicht nur für äußere Belohnungen, der hat auch Spaß daran.

Ich denke die Art und Vielzahl der Outtakes machen deutlich, wie sehr das Thema mich begeistert hat 😉

Ergänzung vom 21.3.2017: Hier ein aktueller Artikel darüber, dass und wie Tiere spielen: The Parrot With a Call as Infectious as Laughter.

Buchempfehlung: „Rasant entspannt“

Coverabbildung © Holger Münch, TRIAS Verlag

„Stress im Job, Hektik im Alltag und ein strammes Freizeitprogramm – da ist es kein Wunder, wenn der Nacken verspannt, der Rücken schmerzt oder der Schädel brummt. Mit einem achtsamen Blick auf sich selbst und einfachen Minuten-Übungen lassen sich typische Stresssituationen entschärfen und Beschwerden rasch lindern.“ So beginnt eine Pressemitteilung, die für das Buch Rasant entspannt von Norbert Fessler wirbt. Und ich muss sagen: In diesem Fall trifft die Werbung einmal zu.

Wer wie ich die meiste Zeit mehr oder weniger krumm vorm PC sitzt und auf den Bildschirm starrt, dessen Muskeln sind am Ende des Tages — oder vieler Tage — so verspannt, dass sie dies durch Schmerzen in Kopf, Nacken und Schultern kundtun. Stress und Zeitdruck tun ihr Übriges.

Was mich beim Lesen der besagten Pressemitteilung neugierig machte, waren die Worte „neun Kurzprogramme für Körper und Geist , die sich problemlos in den Alltag integrieren lassen“ sowie die Erklärung, dass diese Übungen „mit insgesamt 14 Expertinnen und Experten“ vom Autor „entwickelt“ und „evaluiert“ wurden.

Geschrieben hat das Buch Prof. Dr. phil. habil. Norbert Fessler. Er ist Professor für Sozialwissenschaften des Sports am Institut für Bewegungserziehung und Sport der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Seit 1999 ist er Leiter der Entspannungsseminare in der Lehrerausbildung und 2010 gründete er die Arbeitsgruppe KET (Karlsruher Entspannungstraining).

Als Schreibtischtäterin (s. o.) empfand ich die Übungen für Augen, Nacken und Schultern als besonders wohltuend. Ich verspürte schnell eine Besserung und fühlte, wie die Muskeln, zum Beispiel im Bereich der Schultern, sich dehnten und entspannten. Wie versprochen sind die Übungen einfach und nehmen relativ wenig Zeit in Anspruch. Weitere Kurzprogramme widmen sich Kiefermuskeln, Brustkorb, Rücken (!), Händen, Beinen und Füßen.

Im hinteren Teil des Buchs erklärt Fessler, wie man verschiedene Übungen kombinieren und in Alltagssituationen trainieren kann, zum Beispiel während der Gartenarbeit, vor dem Fernseher oder beim Telefonieren.

„Rasant entspannt“ kostet als Print-Buch 14,99 € und als E-Book 11,99 € (Stand 5.10.2013).

Weitere Informationen: Die besten Minuten-Übungen gegen Alltagsstress.