Gefälschtes Valium in Schottland

Medikamentenfälscher produzieren tatsächlich alles, womit sich Geld machen lässt. Gerade habe ich diesen Artikel auf der BBC-Website gefunden: Fake valium ‚cheaper than chips‘, warns drug expert. Darin geht es darum, dass nachgemachtes Valium Schottland geradezu überschwemmt. In diesem Fall sind die Opfer Drogensüchtige und die Tabletten wurden mit sechs Todesfällen in Verbindung gebracht. Weitere Informationen enthält, wie gesagt, der BBC-Beitrag. Weiterlesen

Unordnung – Warum und wann ein bisschen Chaos uns guttut

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Wie im vorherigen Post versprochen, hier nun die wichtigsten Quellen zu meinem Psychologie-Heute-Artikel Schon in Ordnung!. sowie im Anschluss daran weitere interessante Funde zum Thema, die ich gemacht habe, als der Artikel schon fertig war.

Die wichtigsten Quellen:

Bücher:

Tim Harford, Messy The Power of Disorder to Transform Our Lives. Riverhead Books, New York 2016

Eric Abrahamson, David H. Freedman, Das perfekte Chaos: Warum unordentliche Menschen glücklicher und effizienter sind. Econ Verlag, Berlin 2007 (Schon älter, erscheint, soweit ich sehen kann, nicht mehr auf Deutsch, sondern nur noch auf Englisch und ich habe es kaum verwendet)

Wichtige Artikel:

(Reihenfolge der Angaben: Autoren/Titel/Zeitschrift/Nr./Jahr/Seiten/DOI)

Delphine Dion, Ouidade Sabri, Valérie Guillard/Home Sweet Messy Home: Managing Symbolic Pollution/Journal of Consumer Research/41/2014/565-589/10.1086/676922

Kathleen D. Vohs, Joseph P. Redden, Ryan Rahinel/ Physical Order Produces Healthy Choices, Generosity, and Conventionality, Whereas Disorder Produces Creativity/Psychological Science/24(9)/2013/1860-1867/10.1177/0956797613480186

Boyoun (Grace) Chae, (Juliet) Zhu/Environmental Disorder Leads to Self-Regulatory Failure/Journal of Consumer Research/40/2014/1203-1218/10.1086/674547

Daniel D. Sleator, Robert E. Tarjan/Amortized efficiency of list update and paging rules/ Communications of the ACM/28(2)/1985/202-208/10.1145/2786.2793 ((doi führt zum Journal, eine andere Angabe habe ich nicht gefunden))

Steve Whittaker, Julia Hirschberg/The character, value and management of personal paper archives/ACM Transactions on Computer-Human Interaction/8(2)/2001/150-170/ 10.1145/376929.376932

Steve Whittaker, Tara Matthews, Julian Cerruti, Hernan Badenes, John Tang/Am I wasting my time organizing email? A study of email refinding/CHI ’11 Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems/2011/3449-3458/10.1145/1978942.1979457

Alison Kidd/The Marks are on the Knowledge Worker/CHI ’94 Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems/1994/186-191/10.1145/191666.191740

Craig Knight, S. Alexander Haslam/The Relative Merits of Lean, Enriched, and Empowered Offices: An Experimental Examination of the Impact of Workspace Management Strategies on Well-Being and Productivity/Journal of Experimental Psychology: Applied/16(2)/2010/158-172/10.1037/a0019292

Sowie

Tralee Pearce/Good news: Living with messiness has its benefits/The Globe and Mail/ 2013 http://www.theglobeandmail.com/life/relationships/good-news-living-with-disorder-has-its-benefits/article12395131/?page=all (Interview mit Eric Abrahamson)

Brian Christian, Tom Griffiths/File that under ‘M’ for messy/The Guardian/2016 http://www.theguardian.com/lifeandstyle/2016/apr/17/file-that-under-m-for-messy-paperwork-solution

Tom Vanderbilt/The Traffic Guru/Wilson Quaterly/2008 http://archive.wilsonquarterly.com/essays/traffic-guru (Artikel über Hans Monderman)

Interessante spätere Funde, die mit dem zu tun haben, was ich in meinem Artikel beschreibe:

– Ms. Mann’s earliest photograph in the Gagosian exhibition focuses on Twombly’s tidy lineup of paints, brushes and stained cloths in a spartan linoleum-floored room. “I had no idea what level of misrule and chaos it would turn into,” she said. Over the sequence, the space becomes densely populated with Twombly’s secondhand finds, including a plastic flamingo and ceramic frog, and white plaster assemblage sculptures, bathed in hazy light filtering through the Venetian blinds. Aus: http://www.nytimes.com/2016/09/07/arts/design/sally-mann-cy-twombly-remembered-light.html?_r=0

Manchmal kann es auch starke äußere Anreize geben, radikal aufzuräumen:

Finally, under subpoena, Trump appeared for a short deposition. When asked about the missing documents, he made a shocking admission: The Trumps had been destroying their corporate records for the previous six months … in order to “save space,” Trump testified, officials with his company had been tossing documents into the shredder and garbage. Aus: http://europe.newsweek.com/donald-trump-companies-destroyed-emails-documents-515120

Der Autor Michael Bond:

„Paper is my problem. I have finished and unfinished stories all over the place. When I really want something – a particular page or a reference book – I can’t find it, so it doesn’t work incredibly well. I am running out of flat surfaces. It is ridiculous, really. And I am running out of space on my bookshelves – I have a lot of fat reference books everywhere and no space for anything new.“ Aus: https://www.theguardian.com/books/2016/dec/24/michael-bond-writing-day-paddington-bear

Über den Regisseur Chris Columbus:

On a white board behind the desk is a complicated-looking production schedule listing various projects at different stages of development … His cluttered desk is covered with DVDs, books and family photos. Aus: https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2013/apr/26/chris-columbus-childrens-novel-house-secrets

– Das Foto von Ray Bradburys Büro spricht für sich 🙂

Aus einem Artikel über den leider verstorbenen Hans Rosling:

I first met him in his messy, overloaded office at Uppsala University …

– Ein schönes Zitat von Elke Heidenreich:

Der Sinn des Lebens kann nicht sein, am Ende die Wohnung aufgeräumt zu hinterlassen, oder?

Unordnung – Ihr schlechter Ruf ist unbegründet

ph0217Das Februar-Heft von Psychologie Heute enthält meinen Artikel über Unordnung und warum sie manchmal durchaus nützlich ist. Bei der Recherche habe ich einiges gelernt, das mich doch sehr erleichtert hat 😉

Wie üblich enthält dieser erste Post zu dem Artikel die Outtakes, also die Passagen, die es aus Platzgründen nicht ins Heft geschafft haben.Was mir besonders bemerkenswert erscheint, habe ich gefettet.

In einem zweiten Post verrate ich meine wichtigsten Quellen und gebe Hinweise auf einige Zitate und Links, die ich erst nach dem Schreiben gefunden habe.

Genug der Vorrede. Hier sind die Outtakes:

Um zu zeigen, wie unrealistisch die in Hochglanzzeitschriften dargestellte Welt ist, erzählt Abrahamson in einem Interview mit der kanadischen Zeitung The Globe and Mail von dem Architekten, der zwei Apartments hatte: eines, in dem er lebte, und eines für Fotoaufnahmen.

… Vohs und ihre Kollegen entdeckten andererseits, dass Teilnehmer, die sich in einem ordentlichen Büro aufhielten, mehr Geld für einen wohltätigen Zweck spendeten und sich häufiger für gesündere Snacks entschieden (einen Apfel statt einen Schokoriegel). Grace Chae und Juliet Zhu von Universitäten in Vancouver und Peking zeigten außerdem, dass Probanden an einem unaufgeräumten Arbeitsplatz impulsiveres Kaufverhalten an den Tag legten, bei einem Reaktionstest langsamer waren und bei einer schwierigen Aufgabe weniger lange durchhielten als Personen, die sich in einer ordentlichen Umgebung befanden. Sie deuten ihre Ergebnisse so, dass Unordnung die Selbstkontrolle beeinträchtigt. Anders gewendet könnte man jedoch sagen: Impulsivität mag bei Routineaufgaben stören, fördert aber vermutlich den Einfallsreichtum.

… Das so genannte Messie-Syndrom, an das mancher beim Stichwort Unordnung denkt, zeichnet sich ebenfalls in erster Linie dadurch aus, dass die Betroffenen zwanghaft „Gegenstände mit fraglichem Nutzwert“ horten, wie es in Beschreibungen des Problems heißt.

Ordnungsliebende Menschen sortieren also oft voreilig Dinge ein, die sie nie wieder brauchen.

… (Manche von Dions Probanden reduzierten ihren Stress, indem sie nur grobe Einteilungen trafen, etwa „Werkzeug“ oder „Spielzeug“ als Oberbegriff für den Inhalt von Schränken oder Kisten verwendeten.)

Whittaker stellte im Zuge seiner Forschung übrigens fest: „Bei einigen Leuten findet das Archivieren nur statt, wenn sie Sekretariatsunterstützung erhalten.“ Könnte es sein, dass Chefs, die leere Schreibtische befürworten, dies auch deshalb tun, weil sie die Kosten des permanenten Ordnunghaltens (den Zeit- und Arbeitsaufwand) nie am eigenen Leib zu spüren bekommen?

Bei den zu Anfang erwähnten Studien von Vohs und Chae handelte es sich interessanterweise um von Fremden erzeugtes Durcheinander. Möglicherweise hätte sich eine von den Probanden selbst gestaltete Umgebung etwas anders ausgewirkt.

Ein gutes Beispiel dafür, wie segensreich es sein kann, wenn man Mitarbeitern jegliche Freiheit lässt, ist das vielleicht „kreativste“ Gebäude der Welt, das so genannte Building 20. Es befand sich jahrzehntelang auf dem Gelände des Massachusetts Institutes of Technology (MIT). Eine Reihe von späteren Nobelpreisträgern forschten dort, Amar Bose entwickelte seine Lautsprecher und Harold Edgerton (der Erfinder des Blitzlicht-Stroboskops) experimentierte mit Hochgeschwindigkeitsfotografie. Dabei war es im 2. Weltkrieg zur Erforschung von Radar und Ähnlichem hastig zusammengezimmert worden – nicht umsonst nannten es manche den Sperrholzpalast. Weil das Gebäude von der Universität vernachlässigt wurde, kümmerte es niemanden, wenn die Erfinder der Atomuhr kurzerhand mehrere Zwischendecken entfernten, die ihnen im Weg waren, oder wenn Physiker, ohne zu fragen, elektrische Leitungen dorthin verlegten, wo sie sie brauchten. Jerome Lettvin und Timothy Leary malten psychedelische Bilder auf die Wände, um die künstlerischen Auswirkungen von LSD zu studieren. Lettvin scherzte über das Gebäude: „Man könnte es als den Mutterleib des Instituts betrachten. Es ist irgendwie chaotisch, aber bei Gott, es ist fruchtbar!“

… Trotzdem mögen wir Unordnung nicht. Warum? Einerseits wirkt sie bisweilen geradezu unmoralisch oder wird so hingestellt und ist oft nicht schön anzusehen. Andererseits ist sie unter Umständen anstrengend und verunsichert. Anarchie auf den Straßen à la Monderman fühlt sich riskant an, auch wenn sie es nicht ist.

Ich habe schon vor Abgabe des Manuskripts eine ganze Menge gekürzt. Falls Interesse besteht, kann ich gerne auch noch einiges davon hier im Blog veröffentlichen. Dieses Interesse können Sie zum Beispiel unter den entsprechenden Posts bei Facebook und G+ bekunden 🙂

Der nächste Blogpost enthält erst einmal, wie gesagt, meine wichtigsten Quellen und weitere ergänzende Informationen.