Welcher Studie kann ich trauen? (Teil 2)

Foto: dkpto/Flickr

Vor einer Woche habe ich hier im Blog eine Liste mit Fragen veröffentlicht, die Ihnen helfen können, zu beurteilen, wie ernst Sie Medienberichte über bestimmte wissenschaftliche Ergebnisse nehmen sollten.

Heute möchte ich Sie auf einige weitere Informationen in diesem Zusammenhang hinweisen. Am Ende meines Posts vor einer Woche erwähnte ich, dass die besten, sprich: zuverlässigsten Studien in der Medizin so genannte randomisierte, kontrollierte Doppelblind-Studien sind. Worum es sich dabei handelt — und einiges mehr –, erklärt das folgende Video (besser als ich dies in einem kurzen Beitrag könnte):

ECRAN steht für (European Communication on Research Awareness Needs). Wer hinter dieser Plattform steckt, erfahren Sie hier. In Deutschland ist es z. B. das Universitätsklinikum Freiburg.

Weniger zuverlässig als solche Studien sind Untersuchungen, bei denen man im Nachhinein zwei oder mehrere Gruppen miteinander vergleicht. Zum Beispiel Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten haben, und solche, bei denen das nicht geschah. Das nennt man Fall-Kontroll-Studien.

Dabei sucht man Faktoren, die sich bei den Gruppen unterscheiden. Rauchen in der ersten Gruppe z. B. mehr Personen als in der zweiten, könnte Rauchen ein Risikofaktor für Herzinfarkt sein. (Rein theoretisch gesprochen. Die folgenden Überlegungen sagen nichts über tatsächliche Ursachen aus.) Es könnte aber auch sein, dass Raucher sich ungesünder ernähren, dass also nicht das Rauchen der entscheidende Faktor ist, sondern die Ernährung. Oder sie sind ärmer und wohnen in stärker verschmutzten Stadtteilen. Oder, was meistens der Fall ist, es handelt sich um eine Kombination verschiedener Einflüsse. Das auseinanderzudröseln ist gar nicht so einfach.

Mit solchen Studien findet man natürlich keine Faktoren, an die die Forscher nicht gedacht und nach denen sie die Probanden nicht gefragt haben.

Man kann auch Personen mit einem bestimmten Risikofaktor, etwa Nachtarbeit, mit solchen vergleichen, die diesem Risiko nicht ausgesetzt sind. Dabei besteht die Schwierigkeit darin, Vergleichs(Kontroll)personen zu finden, die sich ansonsten in nichts von den anderen unterscheiden: Wohnort, Alter, Einkommen, Ernährung, Bewegung, Rauchen … Beide Gruppen müssen im Hinblick auf diese Dinge völlig vergleichbar sein. Ich denke, es ist klar, dass so etwas hinzubekommen, nicht so einfach ist. Andererseits bedeutet dies natürlich nicht, dass solche Ergebnisse wertlos sind. Man muss sich nur klar sein, dass die Ergebnisse oft eher Hinweise ergeben als sichere Tatsachen.

Bei klinischen Studien, wie sie das Video oben beschreibt, ist die Vergleichbarkeit gewährleistet, weil man eine ausreichend große Zahl von Patienten zufällig (randomisiert) der einen oder anderen Gruppe zuordnet und dann erst z. B. das Medikament verabreicht, so dass man mehr oder weniger sicher sein kann, dass die beiden Gruppen sich nur in diesem einem Aspekt (Medikament oder nicht) unterscheiden. Deshalb sind solche Ergebnisse zuverlässiger.

Zum Schluss einige Links, für alle, die sich noch weiter mit diesen Themen beschäftigen möchten:

Medizinjournalismus: 10 Tipps, woran man gute Artikel und Beiträge erkennt,

„Unstatistik des Monats“,

Tips for Understanding Studies.

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