Die zwei besten Methoden, um für Prüfungen zu lernen

Man lernt etwas nur richtig gut, indem man es tut. Davon bin ich überzeugt. Ob Schreiben, Klavierspielen oder Hirnchirurgie — das und vieles mehr lernt man nicht aus Büchern, sondern in der Praxis. Doch darum geht es hier nicht.

In diesem Beitrag geht es um das sture Auswendiglernen von Vokabeln, den Namen von Knochen und Muskeln und zahllosen anderen Fakten, die in Prüfungen aller Art abgefragt werden. Bemerkung am Rande: Ganz in Sinne dessen, was ich im ersten Absatz geschrieben habe: Ich halte auch Vokabelnpauken nicht für die beste Art des Sprachenlernens. Oder haben Sie schon einmal ein Kind gesehen, das auf diese Weise seine Muttersprache erwirbt? Eben.

Aber gut, Schulen, Universitäten und andere (Aus)Bildungsinstitutionen verlangen, dass man Tests, Klausuren und mündliche Prüfungen über eingepauktes Wissen besteht. So ist es nun einmal.

Deshalb komme ich nun endlich zu den beiden Methoden, die Mitarbeiter des Scientific American nach der Sichtung von mehr als 700 Forschungsarbeiten für die geeignetsten halten:

1. Testen Sie sich selbst. Zum Beispiel mit Karteikarten, die auf einer Seite die Fragen (etwa deutsche Wörter) und auf der anderen Seite die Antworten (die entsprechenden englischen Vokabeln) enthalten. Da gibt es jede Menge Systeme und Varianten. Hilfreich sind zum Beispiel Lehrbücher, die am Ende jedes Kapitels Fragen zum gerade gelesenen Inhalt stellen. Vielleicht lassen sich auch Tests aus früheren Jahren aufspüren. Ein weiteres Beispiel sind Fragebögen der theoretischen Prüfung für den Führerschein, die man durcharbeiten kann. Vieles davon gibt es entsprechend auch in digitaler Form. Entscheidend für den Erfolg ist, dass man immer eine Rückmeldung bekommt, also die Lösungen erfährt.

Kombinieren können Sie diese Methode mit der zweiten Vorgehensweise, die die Autoren des Artikels ebenfalls für erwiesenermaßen nützlich halten:

2. Lassen Sie zwischen wiederholenden Lernschritten Zeit vergehen. Sprich: Büffeln Sie nicht alles in letzter Minute, am besten noch in einer Nachtschicht, sondern machen Sie sich einen Plan, wann Sie bestimmte Themen lernen und testen wollen, wann Sie sich dieselben Punkte erneut vornehmen wollen und noch einmal und so weiter. Ich denke, diese Vorgehensweise simuliert ein wenig das Lernen in der Praxis, wo sich ja auch das am besten einprägt, was wir einüben, indem und weil wir es immer wieder gebrauchen.

Längere Intervalle, so haben Wissenschaftler entdeckt, wirken auf die Dauer besser. Denn je größer der Abstand zwischen den Lernsitzungen, desto länger behalten wir, was wir uns einprägen wollen. Laut einer Studie sollten die Intervalle etwa 10 bis 20 Prozent der Zeitdauer betragen, für die wir etwas behalten wollen. Ist die Prüfung in einer Woche, sollte man also einmal täglich die entscheidenden Inhalte üben. Wer glaubt, er braucht das Wissen noch in einem Jahr — oder fünf –, der wählt entsprechend längere Abstände.

Die Autoren des Artikels haben noch acht weitere Lerntechniken bewertet. Einige sind weniger empfehlenswert, weil ihr Nutzen nicht ausreichend durch Studien belegt ist, weitere sind nach Ansicht von Experten gar nicht geeignet.

Zwischenzeitlich befand sich der Artikel Psychologists Identify the Best Ways to Study hinter einer Bezahlschranke (Paywall). Im Moment (1.9.2013 ist er wieder frei zugänglich. Warum? Keine Ahnung. Wenn Sie sich beeilen, erwischen Sie vielleicht die vollständige Version.

Zumindest die Zusammenfassung der Ergebnisse ist jedoch anscheinend immer frei zugänglich. Darin kann man auch lesen, welche zwei häufig verwendete Methoden sich als ungeeignet erwiesen haben: Das Unterstreichen wichtiger Passagen beim Lesen und wiederholtes Lesen.

Der gesamte Artikel ist außerdem im Septemberheft von Scientific American Mind enthalten. Vielleicht erscheint er ja irgendwann auch auf Deutsch in einer Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft bzw. Gehirn und Geist.

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